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Die Eulen sind wieder da

Veröffentlicht am 16.06.2020

Zum zweiten Jahr in Folge bezieht ein brütendes Waldohreulenpärchen drei Gärten in der Antoniusstraße/Brunhildstraße. Im vorherigen Jahr beglückten sie die Nachbarschaft mit vier Jungtieren. Dieses Jahr sind es drei. Fasziniert beobachten die Anwohner der Familien Wolfertz, Nehring und Brors das seltene Spektakel zwischen Paarungszeit, Flugversuchen und eigentümlichen Eulen-Gesprächen. Ihre Geschichten möchten sie niemandem vorenthalten. Die Klimaschutzmanagerin der Stadt Xanten, Lisa Heider, im Interview mit den Anwohnern Klaus Wolfertz und Josef Nehring und den NABU-Eulenexperten Siegfried Pieper und Gerd Böllerschen.


L. Heider: Die Waldohreulen teilen sich Ihre drei Gärten als Lebensraum. Das beeinflusst sicherlich Ihren Alltag und die nachbarschaftliche Gemeinschaft.

K. Wolfertz: Die Eulen hüpfen oder fliegen zwischen unseren Coniferen, Kirsch-und Apfelbäumen hin-und her. Man kann sich nie ganz sicher sein, auf welchem Baum oder Grundstück sie gerade sind. Wir alle verbringen viel Zeit im Garten und sind oft zusammen auf der Suche nach Mama, Papa und Eulenkindern. Wir haben uns auch über unsere Gartenzäune hinweg auf Namensfindung begeben und sie Familie Ullenboom getauft.

J. Nehring: Vor allem bei Dämmerung draußen zu sein ist plötzlich besonders spannend. Die Tiere kommunizieren miteinander, bevor es auf Beutejagd geht. Das Spektakel beginnt mit einem lauten Fiepen, dem Bettelruf der Jungen. Die Eltern antworten dann mit einem Fauchen. Manchmal bellen sie auch, so dass sie wie Hunde klingen. Die Jungen haben jetzt auch schon versucht das Bellen zu imitieren. Bei uns in der Familie sind die Eulen einfach immer Thema. Jedes Mal, wenn wir die Terrasse betreten, fragen wir uns automatisch: Wo sind sie, wie geht es ihnen und was haben sie neues gelernt?


L. Heider: Was waren Ihre persönlichen Lieblingsmomente mit den Eulen?

K. Wolfertz: Ein echtes Highlight war für mich der Moment im April, als ich vom Nachbargrundstück mitbekam: „Die Eulen sind wieder da!“. Seither gab es viele lustige Versteckspiele, vor allem mit den jungen Eulen. Oft schlage ich mich mit meiner Kamera durch das Gestrüpp, verrenke meinen Hals und suche eine Eule in den Bäumen. Nicht selten sitzt die gesamte Meute direkt neben mir auf dem Komposthaufen oder der Turnstange und beobachtet mich mit großen Augen.

J. Nehring: Meine Frau und ich ärgern uns ständig über die Tauben, die unsere Terrasse zukoten. An einem Morgen war es besonders schlimm und genervt machten wir uns wieder einmal ans Schrubben. Dann entdeckte ich über mir das erste Mal eine Waldohreule und plötzlich war der Kot wie ein Geschenk. Zu den Eulen haben wir eine ganz andere Beziehung.

 
L. Heider: Waldohreulen in mitten der Stadt, nur 300m vom Marktplatz entfernt…Beobachten wir hier etwas Besonderes?

G. Böllerschen: Ja, natürlich. Wir haben in Xanten die luxuriöse Situation, dass den Eulen in der Stadt alles geboten wird. Es gibt viele alte Bäume mit alten Krähen- oder Elsternnestern, die sie als Nistplätze nutzen. Gleichzeitig gibt es offene Flächen für den Beutefang. Der unmittelbar angrenzende Archäologische Park ist ein ideales Jagdrevier für Eulen, aber auch für die am Dom-nistenden Wanderfalken.

J. Nehring: Es ist unglaublich wie zutraulich die Eulen sind. Ob Rasenmäher oder Babygeschrei, die Jungen beobachten die Aktivitäten im Garten neugierig und entspannt.


L. Heider: Eulen jagen Mäuse, Ratten und Vögel. Wie groß ist ihr Einfluss auf eine Eindämmung von Populationen, die von vielen Xantener*innen als problematisch betrachtet werden, wie zum Beispiel die der Krähen?

G. Böllerschen: Auf jeden Fall groß. Alle Raubvögel übernehmen diese wichtige Rolle in Städten, die unter invasiven Tieren leiden. Wenn Steinkäuze Junge haben, erhöht sich der Anteil von Vögeln als Nahrungsquelle von 20% auf 40%. Darunter sind bestimmt auch viele Krähen, Tauben und Dohlen.

Klaus Wolfertz: Das kann ich aus eigener Beobachtung nur bestätigen. Gerade letzte Woche filmte ich Ulrike Ullenboom beim Verspeisen einer Krähe.

J. Nehring: Und ich habe im Gewöll der Waldohreulen einen Krähenfuß entdeckt.

 
L. Heider: Waldohreulen sind in ihren Beständen rückläufig. Wie können wir sie und andere Eulenarten unterstützen?

G. Böllerschen: Das naturgärtnerische Engagement der Familien Nehring, Brors und Wolfertz ist für mich vorbildlich. Zunächst ist es wichtig, Gärten und Lebensräume von Eulen, aber auch Singvögeln, Igeln oder Insekten zu pflegen. Gleichzeitig noch das Verhalten der Tiere zu beobachten und diese Informationen zu teilen, ist für den Naturschutz ein großer Gewinn. Das Wissen über Eulen und der Natur vor der eigenen Haustür allgemein stirbt regelrecht aus. Der NABU Xanten hat eine Eulengruppe, die die Bestände von Eulen beobachtet, sich um die Belange der Tiere kümmert und Exkursionen anbietet. Jeder kann ein Eulenexperte werden und ist herzlich eingeladen, bei uns mitzumachen.

 

L. Heider: Immer wieder hört man von „Schlafbäumen“ auf denen sich bis zu 50 Waldohreulen versammeln. Was hat es damit auf sich?

G. Böllerschen: Den Winter verbringen ausgewachsene Waldohreulen, die übrigens bis zu 30 Jahre alt werden können, oft in großen Gruppen auf einem Baum. Zu welchem Zweck sie das tun, ist leider noch nicht erforscht.

S. Pieper: Auch in Xanten wurde dieses Phänomen schon beobachtet. Vor vielen Jahren gab es einen Schlafbaum am Krankenhaus.

 

Noch ungefähr bis Anfang Juli werden die drei jungen Waldohreulen von Ihren Eltern mit Nahrung versorgt und für den Beutefang trainiert. Dann ziehen sie los, um sich ein eigenes Revier in der Nähe zu suchen. Uli und Ulrike Ullenboom sind noch sehr junge Eltern und der Verdacht liegt nahe, dass er oder sie ein Zögling des vorjährigen Besuchs in der Antoniusstraße/Brunhildstraße ist, übrigens nur einen Steinwurf vom Eulenturm am Klever Tor entfernt.

 

Der Klimawandel und die biologische Vielfalt

In Zeiten des rapiden Klimawandels verändert sich auch das Artenvorkommen. Besonders Insekten, Amphibien und Vögel sind in NRW negativ betroffen. Um einem weiteren Artensterben vorzubeugen, ist es für die Wissenschaft wichtig, möglichst viele Daten zu erheben. Nach dem Prinzip „mehr Augen sehen mehr“ baut die Umweltforschung zunehmend auf Bürgerwissenschaftsprojekte. Über Onlineportale können Bürger*innen ihre Tier-Sichtungen, mit Ortsangaben und Fotos, ganz unkompliziert melden. Zu den bekannten Meldeportalen gehören www.naturgucker.de und die wiederkehrenden Aktionen vom NABU „Stunde der Gartenvögel“, „Zeit der Schmetterlinge“ und „Insektensommer“.

Klimaschutz und Artenschutz geht bei der Stadt Xanten Hand in Hand.  Die biologische Vielfalt ist sozusagen ein Frühwarnsystem für klimatische Veränderungen, die uns Menschen plötzlich und unerwartet treffen können. Gleichzeitig bedeutet der Schutz der Tier-und Pflanzenwelt die Instandhaltung von Ökosystemleistungen (die lebenserhaltenden Dienstleistungen der Natur für das menschliche Wohlergehen). Für Ihre Fragen oder eigenen Beobachtungen der Umwelt in Xanten kontaktieren sie die Klimaschutzmanagerin unter lisa.heider@xanten.de oder 02801-772197.

Eulenweibchen mit Krähenbein    Junge Eule   Nachwuchs

 

Kontakt

Frau Heider
Sachgebiet: Stadtplanung
Karthaus 2
46509 Xanten

Telefon: 02801/772-197
lisa.heider@xanten.de