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Gedenkveranstaltung am Tag der Deutschen Einheit im Rathaus

Veröffentlicht am 09.10.2019

Als Auftakt zu einer zukünftig regelmäßigen Gedenkveranstaltungsreihe am Tag der Deutschen Einheit fand am 3. Oktober erstmalig seit Jahren im Xantener Ratssaal eine städtische Feierstunde statt. Nach der Idee von Jürgen Kappel hatte diese Feier drei Elemente: einen literarischen, einen erinnernden und einen musikalischen Aspekt. Nachdem Bürgermeister Thomas Görtz die rund 50 Gäste begrüßt hatte, erinnerte er an die Bedeutung des Feiertages gerade in heutiger Zeit, wo Freiheit und Demokratie von vielen Menschen nicht mehr als selbstverständlich betrachtet würden. Man müsse die Lebensleistung der Menschen, die in den neuen Bundesländern gelebt hätten, nach wie vor als Wert schätzen. Er wisse noch gut, wie er als junger Mann vor 29 Jahren Wahlkampf in seiner früheren Heimatstadt Heinsberg gemacht habe. Man habe damals als westlicher Wahlkreis ganz bewusst bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 einen Trabbi als „Wahlkampfmobil“ genutzt, um so die Verbundenheit zwischen West und Ost zu demonstrieren.

In dem zweiten Part führten Jürgen und Susanne Kappel in das Epos von Heinrich Heine: Deutschland ein Wintermärchen  ein. Wenn man etwas über Deutschland in der Literatur erfahren wolle, stoße man auf das Werk Heines, sagte Kappel. Er habe als Humanist seinen besonderen Blick auf Deutschland gehabt, das vor 145 Jahren im Wesentlichen von Preußen geprägt gewesen sein. Politische Teilhabe, soziale Gerechtigkeit und Meinungsfreiheit seien seine Fixpunkte gewesen. In Deutschland wurde er für diese Sichtweise verfolgt. Als jüdischer Deutscher sei er Zeit seines Lebens ausgegrenzt und beruflich  verfemt gewesen. In der Nazizeit als Parasit abgestempelt habe seine Bedeutung erst Ende der 70er Jahre wieder zugenommen.

In einem Dreiergespräch wurde der Gedenktag aus sehr persönlicher Sicht betrachtet. Ilse Falk, langjährige Bundestagsabgeordnete, erinnerte sich noch gut, dass sich die Abgeordneten des Deutschen Bundestages bei der Nachricht vom Fall der Berliner Mauer  spontan erhoben hatten und die Nationalhymne sangen. Damals wäre sie schon gern dabei gewesen, meinte sie. Doch sie kam erst 1990 in den Bundestag. Dass die Einheit überhaupt geschaffen wurde, sei bis heute eine Erfolgsgeschichte. Sicher, so räumte sie ein, habe es Fehlentwicklungen gegeben. Man müsse heute stärker auf die Menschen, die betroffen seien hören und sie mitnehmen. Nur so könne Unzufriedenheit und politisches Unverständnis vermieden werden.

Daniela Postler war 1992 in den Westen gezogen, der Liebe wegen. Sie erinnerte sich noch gut, wie nach der Einheit die Treuhand mit zunehmender Zeit die Firmen aus Rostock abgewickelt hätten. Die Menschen der Region hätten nicht nur ihre Lebensgrundlage verloren, sondern auch ihr Selbstwertgefühl. Man habe ihnen allzu oft vermittelt, dass sie in ihrem Leben nichts geleistet hätten. Das würde sie heute in die Arme der AFD treiben.

Frederik Krohn, der Organisator und Chef der Xantener Fridays for Future riet, auch die Jugend bei der Feier zur Deutschen Einheit stärker einzubinden. Ihm sei jetzt bewusst geworden, wie nah sich die Bewegung zur Einheit und zur Klimarettung stünden.

Den Höhepunkt bildete die Komposition von Stefan Heucke, einem zeitgenössischen Komponisten zum Kaiserquartett (Melodie der Nationalhymne). Heucke führte in das Werk ein (s. Internet) dass Ana-Marija Markovina eindrucksvoll darbot.

Jürgen Kappel und Bürgermeister Görtz zeigten sich zufrieden und freuten sich über die teilweise begeisterten Reaktionen des Publikums, u. a. von Altbürgermeister Alfred Melters, so dass beide unisono bekräftigten, am 3. Oktober 2020 zum 30-jährigen Jahrestag der Deutschen Einheit erneut eine Gedenkveranstaltung ähnlichen Stils zu organisieren.